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2022 Reisebericht Israel – Jordanien

By Mai 10, 2022No Comments

Teil 1 Israel

Am Mittwoch, 6. April, traf sich unsere Gruppe (34 Personen) in Düsseldorf um 9:00 Uhr am Eincheckschalter von Turkish Airlines.

Vor uns befand sich eine lange Schlange, die nur langsam kürzer wurde. Es gab offenbar Probleme; konkret: Uns fehlte, wie zwei weiteren Reiseteilnehmern vor uns eine notwendige Referenz-Nr. auf einer Email, um nach Israel einreisen zu können. Wir hatten diese Email nicht erhalten sondern lediglich einen Ausdruck des vorher online beantragten Impfzertifikats ohne Referenznummer. Uns wurde von den rigorosen Schaltermitarbeiterinnen erklärt, dass es unmöglich sei, in Israel ohne diese Nummer einzureisen.

Was nun? Die Zeit für eine neue Registrierung erwies sich als zu kurz. Die ermutigende Gelassenheit unseres Reiseleiters ließ uns nicht völlig verzweifeln. Nach langen Diskussionen ergab sich für uns die Lösung, zunächst bis Istanbul zu fliegen und dann neu einzuchecken. Bis dahin sollten wir diese Referenznummer irgendwie beschaffen.

Während des dreistündigen Fluges bewegte uns die Frage: Ob in Istanbul wohl alles klappen würde? Mit Peters Hilfe und Fridolins geschickter Phone-Handhabung gelangten wir in Istanbul tatsächlich an die „wichtige“ Nummer und standen erleichtert am Check-In-Schalter. Hier staunten wir nicht wenig, als die Nummer plötzlich völlig bedeutungslos war und keiner sie wissen wollte. Danach trafen wir endlich nach mehreren Kontrollen die Gruppe wieder. Die Erleichterung war groß!

Der Flug von Istanbul nach Tel Aviv verlief ohne Zwischenfälle. Nach der Landung gelangten wir nach weiteren Kontrollhürden schließlich zum Testzentrum, dessen Ergebnisse uns für die Nacht zugesagt waren. Erst ein negativer PCR-Test könnte wirkliche Entspannung bringen. So verbrachten alle in der Erwartung des Testergebnisses eine unruhige Nacht.

Beim Frühstück am nächsten Morgen war die Erleichterung bei den negativ Getesteten deutlich zu spüren. Umso trauriger war es, dass leider ein Teilnehmer ein positives Ergebnis bekam und er sich in Quarantäne begeben musste.

 

An diesem Tag, 7. April, besuchten wir unsere Partnerstadt Kfar Saba, etwas nördlich von Tel Aviv gelegen. Ein großartiger Empfang war vorbereitet, und es war deutlich zu spüren, dass die Freude über das Treffen nach zwei Jahren Corona-Pause groß war. Das herrliche Wetter und die blütenreiche Umgebung trugen zum Gelingen bei. Der Bürgermeister begrüßte uns und Gerhard Bennertz wurde wegen seiner jahrzehntelangen Kontakte mit Kfar Saba geehrt.

Musik begleitete uns durch den Tag. Die unterschiedlichsten instrumentalen Gruppen des Konservatoriums erfreuten uns mit Gesang und Tanz. Während einer Führung durch die schöne Stadt erfuhren wir viel über die Geschichte Kfar Sabas.

 

 

 

So kehrten wir nach einem herrlichen Tag nach Tel Aviv zurück, wo am Abend ein großer Polizeieinsatz uns ahnen ließ, dass etwas Außergewöhnliches passiert sein musste. Am nächsten Tag erfuhren wir von einem Attentat, bei dem zwei junge Männer ausgerechnet aus Kfar Saba starben. Diese Nachricht erschütterte uns sehr und machte uns die Probleme des Landes bewusst, wo Freude und Leid nahe beieinander liegen.

Am nächsten Tag unternahmen wir einen Spaziergang entlang der Küste. Unser Ziel war die Landesvertretung von NRW in Israel, die kürzlich eingerichtet wurde. Herr Dr. Beier und Herr Dr. Yaron, der Leiter der Vertretung, empfingen uns als erste Besuchergruppe auf der Dachterrasse und stellten uns ihre Arbeit vor. Es ging um Projekte zur Förderung der Zusammenarbeit zwischen israelischen Firmen und NRW – Firmen im Bereich der Ökonomie und Ökologie.

 

Danach verließen wir das moderne Tel Aviv und fuhren nach Jaffa, wo wir einen einstündigen Rundgang durch die Altstadt machten. Der Uhrturm, das Wahrzeichen von Jaffa, war nicht zu übersehen. Der osmanische Sultan Abdul Hamid II. ließ ihn 1901 errichten, um, so wird vermutet, seine Untertanen in westlicher Pünktlichkeit zu unterweisen. Wir wanderten hoch bis zur Franziskanerkirche Sankt Petrus, die die altstädtische Skyline dominiert und genossen einen herrlichen Ausblick auf das Mittelmeer.

 

 

Anschließend ging es mit dem Bus weiter nach Jerusalem. Die Fahrt führte uns hinauf in die Berge, denn Jerusalem liegt über 750 m hoch. Peter stimmte uns mit Wiener Manner-Waffeln auf unsere nächste Unterkunft ein, dem Österreichischen Hospiz. Am Jaffator, einem der alten Stadttore, verließen wir den Bus. Es ging zu Fuß weiter durch die lebhaften Gassen des Bazars bis zum Hospiz an der Via Dolorosa mitten im Arabischen Viertel der Altstadt. Ehe wir das Haus betreten konnten, fand ein temperamentvolles Wiedersehen mit „Basti“, dem Restaurantbesitzer in der Nachbarschaft, und Peter statt, und es wurde in arabischer Art und Weise sofort ein Preis für ein Menü ausgehandelt. Die armenische Konkurrenz ließ dann auch nicht lange auf sich warten und machte ihrerseits verlockende Angebote.

Im pulsierenden Leben dieses Arabischen Viertels bildet das Österreichische Hospiz eine Oase der Ruhe und Entspannung. Wir bewunderten die gediegenen Räumlichkeiten und hatten schnell das Wiener Kaffeehaus mit seinen Köstlichkeiten (Wiener Schnitzel! Apfelstrudel mit Schlagobers!) entdeckt. Auf der Dachterrasse, beim weiten Blick über die Dächer und Kuppeln der Stadt, stellten wir fest, dass wir das „Himmlische Jerusalem“ erreicht hatten.

Bei einem ersten gemeinsamen Gang durch die Altstadtgassen bemerkten wir sehr eindrucksvoll die verschiedenen Lebensräume Jerusalems. Die lautstarken Rufe des Muezzins forderten die islamischen Gläubigen zum Gebet in der Al–Aqsa-Moschee und dem Felsendom auf dem Tempelberg auf. Beim weiteren Gang über die Via Dolorosa und viele weiteren engen Gassen gelangten wir zur Klagemauer im Jüdischen Viertel. Dort trafen sich die gläubigen Juden zum Gebet am Vorabend des Shabbats.

Am Samstag, 9. April, versammelten wir uns morgens bei herrlichstem Wetter zum gemeinsamen Gang auf den Ölberg. Durch das Löwentor verließen wir die Altstadt und gelangten zum Fuß des Ölbergs. Bald erreichten wir die Kapelle „Mariengrab“, wo die orthodoxen Kirchen die Begräbnisstätte Mariens vermuten. Nur ein paar Schritte weiter kamen wir zum Garten von  Gethsemane. Die knorrigen uralten Olivenbäume (man schätzt das Alter auf etwa 1000 Jahre) beeindruckten uns sehr und mussten natürlich fotografiert werden. Die Kirche von Gethsemane, auch Kirche aller Nationen genannt, war die nächste Station. Sie wurde 1919 vom italienischen Architekten Antonio Barluzzi mit Spenden aus zwölf verschiedenen Ländern erbaut, deren Wappen im Inneren prangen; auch der deutsche Adler war zu entdecken. Die russische Maria-Magdalena-Kirche mit ihren sieben vergoldeten Zwiebeltürmen glänzte uns schon bald entgegen. Weiter hinauf erreichten wir die Kirche Dominus Flevit, wo Teile eines Mosaikbodens aus dem 5. Jh. zu bewundern waren.

 

Immer wieder bot sich ein herrlicher Blick auf die gegenüber liegende Altstadt mit Tempelberg, die in der Sonne leuchtend da lag. Vorbei ging es an dem gigantischen jüdischen Friedhof mit etwa 150.000 Gruften. Weiter oben stiegen wir hinab in die sogenannten „Prophetengräber“. Bei Kerzenlicht bewegten wir uns durch die Katakomben. Nach einem weiteren kurzen Fußmarsch hatten wir den Gipfel des Ölbergs erreicht. Wieder faszinierte uns der Blick auf die Altstadt, die im schönsten Licht vor uns lag und aus der die glänzende Kuppel des Felsendomes herausragte. Wir waren begeistert. Der Aufstieg hatte sich gelohnt!

Am Nachmittag machten wir uns trotz der müden Beine zur Grabeskirche auf. Wir hatten den Stadtplan inzwischen so verinnerlicht, dass wir den Weg durch die engen verwinkelten Gassen ohne Schwierigkeiten fanden. Die Grabeskirche, das geographische Zentrum des christlichen Glaubens, wird von sechs christlichen Gemeinschaften gemeinsam genutzt (Katholiken, Griechisch-Orthodoxe, Armenier, Syrer, Äthiopier, Kopten). Hunderte von Pilgern schienen sich in dem unübersichtlichen Gemäuer zu befinden. Aus den verschiedenen Bereichen waren konkurrierende lautstarke Gesänge und Gebete zu hören. Wir waren so beeindruckt, dass wir uns schnell wieder zurückzogen.

Am Sonntagmorgen, 10.4., verließen wir das Hospiz. Unser heutiger Reiseführer Uriel holte uns dort ab. Er begleitete uns durch die judäische Wüste und am Toten Meer entlang zur Bergfestung Massada, der Sommerresidenz von König Herodes. Auf dem Weg informierte unser Reiseführer in interessanter Weise über das Land Israel und seine verschiedenen Menschengruppen. Zur Festung Massada auf dem Hochplateau, Weltkulturerbe und israelisches „Nationalheiligtum“, brachte uns eine Seilbahn. Wir hörten, dass der römische Vasallenkönig Herodes aus Angst vor Aufständen und Umsturzversuchen diese mächtige Festung mit Wasserzisternen und zwei prächtigen Palästen bauen ließ. Erobert wurde die Festung im Jahre 70 n.Chr. durch die Römer. Die kurzweiligen, humorvollen Erklärungen vernahmen wir mit großer Spannung und hätten noch gern länger zugehört, obwohl das Thermometer inzwischen auf 32 Grad gestiegen war.

Immer wieder erfolgte ein Blick auf die Uhr, denn die Fahrt zum Grenzübergang nach Jordanien war noch weit. Wir mussten zu einer bestimmten Zeit dort sein, um nicht vor einer geschlossenen Grenze zu stehen. Dank der Fahrkünste unseres Busfahrers kamen wir rechtzeitig in Eilat an und bezahlten die Ausreisegebühr, um Israel verlassen zu dürfen. Da der Bus nicht über die Grenze fahren durfte, verabschiedeten wir uns vom Busfahrer, nahmen unsere Koffer und gingen zu Fuß an den verschieden Kontrollen vorbei nach Jordanien. Dort empfingen uns unser neuer Reiseführer Khaled und der Busfahrer Harkim. Weiter ging die Fahrt nach Aqaba.

 

Hildegard und Wolfgang Michels

 

Teil 2 Jordanien

Nein…wir waren nicht in Jordanien, sondern im Haschemitischen Königreich Jordanien… so die Begrüßung durch unseren Reiseleiter Khaled. Doch der Reihe nach……

 

Nach einer Fahrt entlang des Toten Meeres auf israelischer Seite erreichten wir den Grenzübergang Yitzak Rabin/Arawa. Hier hieß es Aussteigen und zu Fuß mit vollem Gepäck zum Ausreiseschalter Israels und dann weiter zu den Einreiseschaltern Jordaniens, an denen wir sehr freundlich und professionell begrüßt wurden. Auf der jordanischen Seite erwartete uns ein neuer Bus und unser Reiseleiter Khaled. Er hieß uns sehr freundlich willkommen und bot umgehend eine Badetour im Roten Meer an, die jedoch aufgrund der Wärme nur von einigen Wenigen angenommen wurde.

Das City Tower Hotel, in dem wir untergebracht waren, ist ein relativ neues und angenehmes Hotel, leider jedoch etwas abseits von fußläufigen Sehenswürdigkeiten.

 

Am nächsten Morgen holte uns Khaled zeitig ab und wir fuhren zu einem der nächsten Höhepunkte unserer Reise, dem Wadi Rum. Hier bestiegen wir offene Jeeps and starteten eine kleine Safari durch die Landschaft von unermesslicher Schönheit, die wohl jeden von uns verzaubert hat. Faszinierende Felsformationen, Felszeichnungen und teilweise bis heute nicht entschlüsselte Schriftzeichen waren zu bestaunen. Khaled zeigte uns u.a. auch die Quelle, an der Lawrence von Arabien gebadet hat.

Nach einem leckeren Tee in einem Beduinenzelt und einigen kleinen Souvenireinkäufen sahen  wir noch einmal auf der Rückfahrt zum Ausgangspunkt die beindruckende Felsformation der „7 Säulen der Weisheit“, unsterblich gemacht durch den Roman des Lawrence von Arabien.

 

Jetzt ging es weiter Richtung Petra. Khaled gestaltete die Fahrt sehr kurzweilig und erzählte uns viel über seine Heimat. Er machte uns auch bekannt mit seinem etwas eigenwilligen Gebrauch der deutschen Sprache. Wir erlernten Vergnügliches, angefangen vom „Ein- und Ausbussen“ bis hin zum unvermeidlichen „Toilettieren“ und wir amüsierten uns immer wieder köstlich.

 

Als Vorgeschmack auf unser Highlight Petra fuhren wir zunächst nach Little Petra und konnten uns hier bereits einen kleinen Eindruck von dem verschaffen, was uns am nächsten Tag erwarten würde.

 

Die Nacht im Petra Moon Hotel war kurz und wir marschierten am nächsten Tag bereits um 7 Uhr durch das Tor Richtung Felsenstadt Petra, UNESO Welterbe und eines der neuen 7 Weltwunder. Petra wurde vor über 2000 Jahren von den Nabatäern erbaut und war Königstadt und Handelszentrum.

 

Durch eine enge Schlucht ging es immer weiter hinein Richtung Zentrum. Phantastisch das Farbenspiel des Gesteins.  Khaled suchte für uns immer neue Punkte, an denen wir besondere Fotos machen konnten und gab dabei jeweils den Rhythmus vor, wer jetzt dran war mit „an-und abwanden“, damit auch jede/r seine Fotochance bekam.

 

Schließlich erreichten wir das von vielen Postkarten bekannte Schatzhaus mit seiner beindruckenden Fassade! Unglaublich schön und ergreifend, es von Nahem zu sehen. Es ging weiter vorbei an Grab- und Tempelfassaden bis sich das Tal öffnete und den Blick freigab auf ein 8.000 Besucher fassendes Amphitheater.

Immer wieder lenkte Khaled auf seine ganz spezielle Art unser Interesse auf die verschiedensten Sehenswürdigkeiten.

 

Nach einer Mittagsrast konnten wir die freie Zeit individuell nutzen. Es bestand die Möglichkeit, den Rückweg mit Elektrowägelchen oder per Esel oder aber (für die ganz Tapferen) zu Fuß zu bewältigen.

 

Ein erfrischendes und kühles Bier im Petra Guest House rundete diesen eindrucksvollen Tag perfekt ab.

 

Für uns ging die Reise am nächsten Tag weiter und unsere Tour näherte sich so langsam dem Ende. Durch eine wüstenähnliche Hochebene fuhren wir wieder ans Tote Meer und verbrachten die restliche Zeit im Holiday Inn Dead Sea Resort. Für den letzten Tag votierte die Mehrheit unserer Reisegruppe für ein verkürztes Tagesprogramm, um wenigstens noch ein paar Stunden am Strand entspannen zu können.

 

Khaled fuhr mit uns zeitig am Morgen des letzten Tages zum 800 m hohen Berg Nebo, von dem aus Moses das Gelobte Land erblickt haben soll. Dank unseres frühen Aufbruchs hatten wir eine wunderbare, relativ klare Aussicht auf das Jordan-Tal und das Tote Meer.

 

Danach ging es weiter nach Madaba, dem Zentrum der jordanischen Mosaikkunst.

Wir besuchten eine Mosaikwerkstatt mit anschließendem Shopping von Souvenirs für die Daheimgebliebenen.  In der Kirche St. Georg sahen wir das berühmte Mosaik der Palästinakarte, die das Heilige Land so darstellt, wie Moses es vom Berg Nebo aus gesehen haben soll.

 

Jetzt war noch Zeit für ein Bad im Toten Meer oder ein Nickerchen auf dem Zimmer vor dem letzten gemeinsamen Abendessen. Schließlich war ganz frühes Aufstehen angesagt, denn um 02:30 h hieß es „Einbussen“ zum Flughafen in Amman. Jetzt mussten wir auch Abschied nehmen  von Khaled, der uns allen in diesen Tagen durch sein umfassendes Wissen und seinen speziellen Humor ans Herz gewachsen war.

 

Mit Zwischenstopp in Istanbul, bei dem wir auch den aus der Quarantäne entlassenen Gerd Ribbrock wiedertrafen, ging es mit Turkish Airlines wieder zurück nach Düsseldorf……..

 

das Ende einer superinteressanten und erlebnisreichen Reise, von deren Eindrücken alle Teilnehmer sicherlich noch lange zehren werden.

 

 

Susanne Drensler / Bettina Fronzek